Fluggastrechte

Fluggastrechte

Die im Jahr 2005 in Kraft getretene EU-Verordnung (Verordnung 261/2004/EG), die in den EU-Mitgliedsstaaten einheitlich die Fluggastrechte regelt, hat zu einer deutlichen Stärkung der Ansprüche bei Nichtbeförderung, Annullierung und Verspätung geführt. 

Trotz der klaren Bestimmungen in der Verordnung, kommt es dennoch immer wieder vor, dass Fluggästen ihre Rechte vorenthalten werden.

Im Folgenden ein Überblick über Ihre Rechte bei Nichtbeförderung, Annullierung und Verspätung.

1. Nichtbeförderung:

Als Nichtbeförderung gilt die Weigerung Fluggäste zu befördern, obwohl sich diese zeitgerecht am Flugsteig eingefunden haben, sofern keine vertretbaren Gründe für die Nichtbeförderung gegeben sind (zB im Zusammenhang mit Gesundheit, Sicherheit oder unzureichenden Reiseunterlagen). In der Praxis kommt es zu Nichtbeförderungen vor allem aufgrund von Überbuchungen.

Die Verordnung verpflichtet Luftfahrtunternehmen zunächst, Freiwillige zu suchen, die gegen eine vereinbarte Entschädigung von ihrer Buchung zurücktreten. Erst wenn sich nicht genügend Freiwillige finden, darf das Luftfahrtunternehmen Fluggästen gegen ihren Willen die Beförderung verweigern. 

Die Ansprüche richten sich gestaffelt nach der Distanz der Flugstrecke:

250 EURO bei einer Entfernung von bis zu 1.500 km

400 EURO bei Flügen innerhalb der EU von über 1.500 km und allen andere Flüge über eine Entfernung zwischen 1.500 km und 3.500 km; 

600 EURO bei einer Entfernung von über 3.500 km.

Sofern der nächste Flug nicht später als 2, 3 oder 4 Stunden (abhängig von den oben genannten Entfernungen) ankommt, kann die Ausgleichsleistung um die Hälfte reduziert werden. 

Darüber hinaus gebühren Leistungen nach Art 8 und 9 der Verordnung.

Art 8 bestimmt den Anspruch auf Erstattung oder anderweitige Beförderung. Fluggäste haben ein Wahlrecht:

a) Auf vollständige Erstattung der Flugscheinkosten innerhalb von 7 Tagen (auch für bereits zurückgelegte Reiseabschnitte, wenn der Flug im Hinblick auf den ursprünglichen Reiseplan des Fluggastes zwecklos geworden ist, gegebenenfalls in Verbindung mit einem Rückflug zum ersten Abflugort zum frühestmöglichen Zeitpunkt);

b) oder anderweitige Beförderung zum Endziel unter vergleichbaren Reisebedingungen zum frühestmöglichen Zeitpunkt; 

c) oder anderweitige Beförderung zum Endziel unter vergleichbaren Reisebedingungen zu einem späteren Zeitpunkt nach Wunsch des Fluggastes, vorbehaltlich verfügbarer Plätze.

Zudem besteht ein Anspruch auf Betreuungsleistungen nach Art 9: Fluggästen sind Mahlzeiten und Erfrischungen in angemessenem Verhältnis zur Wartezeit anzubieten; falls eine Übernachtung notwendig wird Hotelunterbringung inklusive Hoteltransfer; außerdem zwei unentgeltliche Telefongespräche, Telefaxe oder E-Mails. Auf die Bedürfnisse von Personen mit eingeschränkter Mobilität und deren Begleitpersonen sowie auf die Bedürfnisse von Kindern ohne Begleitung ist besonders Bedacht zu nehmen.

2. Annullierung 

Als Annullierung gilt die Nichtdurchführung eines geplanten Fluges für den der Fluggast zumindest einen Platz reserviert hat. Dabei gebühren ebenfalls Ausgleichsleistungen, Erstattung der Flugscheinkosten und Unterstützungsleistungen.

Die Ausgleichszahlung entfällt jedoch, wenn der Fluggast 2 Wochen bis zu 7 Tage vor Abreise von der Annullierung informiert wurde und eine Umbuchung angeboten wird, die dem ursprünglichen Flug zeitlich nahe ist (Abflug innerhalb von 2 Stunden vor der ursprünglichen Abflugzeit, Ankunft höchstens 4 Stunden später). Bei einer Informierung weniger als 7 Tage vor der planmäßigen Abflugzeit entfällt die Ausgleichsleistung, wenn bei angebotener Umbuchung die Abweichung höchstens 1 Stunde vor oder 2 Stunden nach der geplanten Ankunftszeit beträgt.

  • Die Verpflichtung zur Leistung der Ausgleichszahlung entfällt auch, wenn die Annullierung des Fluges aufgrund außergewöhnlicher Umstände erfolgt, die sich auch dann nicht hätten vermeiden lassen, wenn alle zumutbaren Maßnahmen ergriffen worden wären.  (politischer Instabilität, gefährliche Wetterbedingungen, Sicherheitsrisiken, unerwarteten Flugsicherheitsmängeln)

3. Verspätungen 

Als Verspätungen gelten außerplanmäßige Verzögerungen beim Abflug. Ausgleichszahlungen sind bei Verspätungen zwar nicht ausdrücklich vorgesehen, jedoch besteht nach einer Entscheidung des Europäischen Gerichtshofes bei einem vergleichbaren Schaden wie im Falle einer Annullierung ebenfalls Anspruch auf Ausgleichszahlung.

Wenn für das Luftfahrtunternehmen absehbar ist, dass sich der Abflug erheblich verzögert (je nach Distanz, siehe oben, um mindestens 2, 3 oder 4 Stunden) besteht der Anspruch auf Unterstützungsleistungen wie bei Nichtbeförderung (angemessene Verpflegung, Telefonate etc).

Bei Verspätungen über 5 Stunden besteht zudem ein Anspruch auf Rückerstattung des Flugpreises, wenn der Flug aufgrund der Verspätung sinnlos geworden ist und gegebenfalls ein Anspruch auf Rückflug zum Abflugort zum ehest möglichen Zeitpunkt.

Sonstiges

Die Luftfahrtunternehmen treffen umfassende Verpflichtungen zur Information der Fluggäste über ihre Rechte. Zudem sind besondere Unterstützungsleistungen Personen mit eingeschränkter Mobilität oder mit besonderen Bedürfnissen vorgesehen.

Die EU-Mitgliedstaaten sind verpflichtet, bei Verstößen gegen die Verordnung Sanktionen vorzusehen, die wirksam, verhältnismäßig und abschreckend sind.

fly.claims hilft bei der Durchsetzung der Ansprüche.

 

 

 

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zuletzt aktualisiert: 07.10.2016
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Autor(en): rechteinfach

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